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„Bridging the Semantic Gap“ - Kann der semantische Ausdruck von Musik mithilfe von akustischen Signaleigenschaften vorhergesagt werden?

* Presenting author
Day / Time: 22.03.2018, 15:20-15:40
Room: MW 1801
Typ: Regulärer Vortrag
Abstract: Inwieweit kann der subjektiv wahrgenommene semantische Ausdruck von Musik mithilfe ihrer akustischen Signaleigenschaften erklärt und vorhergesagt werden? Welchen Einfluss haben dabei Charakteristika des Hörers, wie z.B. soziodemografische und kulturelle Faktoren? Ein Ziel des EU-geförderten Projektes ABC_DJ ist es, den Zusammenhang zwischen akustischen und semantischen Eigenschaften von Musik im Kontext des Audio Branding zu untersuchen, um Softwarelösungen zu entwickeln, die eine automatische Identifikation markenrelevanter Musikstücke aus großen Archiven ermöglicht. Daher wurden zunächst 549 Musikstücke aus 10 verschiedenen Genres und 61 Stilistiken mithilfe von Audio Features in Bezug auf Klangfarbe, Harmonie, Rhythmus und Struktur analysiert. Dazu wurden neuartige Features, beispielsweise zur Beschreibung der Verteilung von Dur- und Mollakkorden oder der Häufigkeit spezifischer Akkordfolgen und Kadenzen entwickelt. Im Rahmen zweier Online-Experimente mit insgesamt 10.047 Teilnehmern aus Deutschland, England und Spanien wurden die Stücke dann hinsichtlich ihres musikalisch-semantischen Ausdrucks bewertet. Die Bewertung erfolgte anhand eines selbstentwickelten Inventars (General Music Branding Inventory), welches die vier Faktoren Easy-Going, Joyful, Authentic und Progressive umfasst. Ergebnisse aus Random-Forest-Regressionsanalysen zeigen, dass der subjektiv wahrgenommene semantische Musikausdruck mithilfe der Audio Features verlässlich vorhergesagt werden kann, wobei Hörerattribute eine untergeordnete Rolle bei der Vorhersage spielen. Die Ergebnisse stellen die Basis für einen Musikempfehlungsalgorithmus dar, welcher derzeit in ein Softwaremodul implementiert wird.