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Man höre und staune - Perzeptive Evidenz für die Funktionalität eines ICC-Systems anhand von Dialogdaten aus einer multimodalen Fahrsimulation

* Presenting author
Day / Time: 22.03.2018, 09:20-09:40
Room: MW 1050
Typ: Vortrag (strukturierte Sitzung)
Abstract: Umgebungsgeräusche im fahrenden Auto beeinflussen die Sprachkommunikation. Bei zunehmender Lärmbelastung steigen z. B. F0 und das akustische Energieniveau, und Sprechaufgaben (Map-Task) werden schneller gelöst. Dieser sogenannte Lombard-Effekt kann durch die Anwendung eines Innenraumkommunikationssystems (ICC) abgeschwächt werden, das zumindest ist die Schlussfolgerung aus den Veränderungen der akustisch-phonetischen Parameter. Was fehlt, ist eine Gegenprobe in der Beurteilung der Sprecher durch andere Hörer in einem Perzeptionsexperiment. Diese Gegenprobe ist Gegenstand unserer Untersuchung, in deren Rahmen 132 Hörer Sprachsignale aus realen Autoinnenraumkommunikationssituationen bewertet haben. Die Signale wurden bei Stille, 50 km/h und 130 km/h sowie ohne und mit ICC-System aufgenommen. Anhand verschiedener semantischer Bewertungsskalen kann erstens ein akustisch gemessener Lombard-Effekt auch perzeptiv bestätigt werden. Dabei klingen die Sprecher im Auto bei zunehmenden Fahrgeräuschen für außenstehende Hörer zudem emotionaler. Zweitens bestätigen die Ergebnisse, dass ein hinzugeschaltetes ICC-System den Lombard-Effekt auch aus Hörersicht signifikant reduziert, z. B. in Bezug auf die wahrgenommene Sprecherlautstärke und das zuvor genannte Emotionalitätsniveau. Zusammengefasst untermauern unsere Daten einerseits, dass ICC-Systeme die Kommunikation der Fahrgäste verbessern und somit Autofahren sicherer machen. Andererseits haben wir aber auch Hinweise darauf gefunden, dass durch ICC nicht die Kommunikationsumgebung eines stillen Autoinnenraums wiederhergestellt, sondern eine andersartige Kommunikationssituation geschaffen wird.