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Ein Modell der neuronalen Verarbeitung zeitlicher Lokalisationsmerkmale

* Presenting author
Day / Time: 19.03.2018, 14:55-15:25
Room: MW 1801
Typ: Vorkolloquium
Abstract: Das auditorische System des Menschen und anderer Säugetiere nutzt zeitliche und spektrale Merkmale der akustischen Signale an den beiden Ohren, um Schallquellen zu lokalisieren. Ein wichtiges Merkmal zur Lokalisation niederfrequenter Schalle in der Horizontalebene sind interaurale Zeitdifferenzen (ITDs, interaural time differences). Neuronal werden diese bereits im medialen oberen Olivenkern (MSO, medial superior olive) des Hirnstamms detektiert. Neuere Ergebnisse elektrophysiologischer und psychoakustischer Messungen deuten darauf hin, dass ITDs auf dieser Ebene anhand der relativen Aktivität zweier Neuronenpopulationen kodiert werden (eine pro Gehirnhälfte). In diesem Beitrag wird die neuronale Verarbeitung von ITDs anhand eines physiologienahen Modells des MSO sowie der vorgeschalteten Verarbeitungspfade untersucht. Es wird gezeigt, dass ITDs bereits in dieser untersten Verarbeitungsstufe robust kodiert werden. Basierend auf den simulierten Daten wird ein einfaches, empirisches Modell vorgeschlagen, das die neuronalen Antworten in den beiden Hemisphären am Beispiel der Lateralisation mit der Wahrnehmung verknüpft. Anhand von psychoakustischen Versuchen zur Lateralisation von Tonimpulsen bei Kopfhörerdarbietung werden erste Vorhersagen dieses Modells evaluiert.